Urbane Botschaften I: Bielefeld, Hannover (Gesucht, gefunden. Der Zauber des Anfangs)

Allem Anfang wohnt ein Zau­ber inne. Die­ser ent­fal­tet sich bei einem Spa­zier­gang durch die Bie­le­fel­der Alt­stadt. Die bes­te Lebens­ge­fähr­tin von allen und ich sto­ßen auf eine Such­an­zei­ge: Saxo­phon ver­lo­ren. Das macht neu­gie­rig. Wie kann man ein Saxo­phon ver­lie­ren? Die Din­ger sind nicht gera­de klein.

Übri­gens führt ein Klick auf eins der Bil­der in die Foto­ga­le­rie mit allen Bot­schaf­ten. Der Link öff­net eine neue Regis­ter­kar­te.

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Wie, bit­te, ver­liert man ein Saxo­phon?

Nach dem Lesen des Tex­tes fra­ge ich mich, was hat der arme Kerl nur getrun­ken oder geraucht? Das will ich auch. Von nun an sehe ich über­all in der Stadt Bot­schaf­ten, an Ver­tei­ler­käs­ten, Licht­mas­ten, Haus­wän­den. Es sind Graf­fi­tis, Sti­cker, hand­ge­mal­te Zet­tel, teils pro­fes­sio­nell, teils ama­teur­haft, teils mit ver­ständ­li­chen Bot­schaf­ten, teils kryp­tisch, teils aktu­ell, teils obso­let. Irgend­wann reift der Ent­schluss, sie foto­gra­fisch in Sze­ne zu set­zen. Am 19. Mai star­te ich mit den ers­ten Auf­nah­men.

Um es vor­weg zu neh­men: Eine so skur­ri­le Anzei­ge wie das ver­lo­re­ne Saxo­phon habe ich kein zwei­tes Mal gefun­den. Über­haupt sind pri­va­te Anle­gen – abge­se­hen von den obli­ga­ten ent­lau­fe­nen Haus­tie­ren – eher sel­ten. Unbe­dingt zei­gens­wert aber ist die­se Woh­nungs­su­che:

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San­ne und Lisa suchen eine Woh­nung im schö­nen Bie­le­fel­der Wes­ten

Kunst­voll haben die Mädels sich selbst und ihre Kat­zen gezeich­net, und nach der Lie­bes­er­klä­rung an Bie­le­feld kann man nur hof­fen, dass sie ihre Traum­woh­nung gefun­den haben.

Das war es dann auch mit »Gesucht, gefun­den«. Ob das Saxo­phon oder die Woh­nung gefun­den wur­den, wis­sen wohl nur die Suchen­den.

Noch ein Wort zum Bei­trags­bild: Trotz des unrühm­li­chen Abstiegs in die 3. Liga (in der die ohne For­tu­ne und Enga­ge­ment stüm­pern­de Mann­schaft statt der Favo­ri­ten­rol­le auf den Wie­der­auf­stieg zäh einen Platz im Tabel­len­kel­ler ver­tei­digt), ist die Armi­nia im Stadt­bild all­ge­gen­wär­tig. Es merkt nur kei­ner. War­um auch. Die Lebens­zei­chen wer­den von den Mit­glie­dern der diver­sen Ultra-Fan­clubs in Form von mehr oder weni­ger kunst­lo­sen Gra­fit­tis und Sti­ckern im Sub­post­kar­ten­for­mat über die Stra­ßen­zü­ge ver­teilt und sind durch ihre unauf­fäl­li­ge Ubi­qui­tät schon wie­der unsicht­bar und ledig­lich den Ultras der Gast­ver­ei­ne ein ste­ter Dorn im Auge. Bis auf das hier abge­bil­de­te über­ra­schend aus­drucks­star­ke und unge­wöhn­lich gro­ße Bei­spiel habe ich auf die lumo­gra­phi­sche Doku­men­ta­ti­on des Ball­sport­fa­na­tis­mus ver­zich­tet.

Auch ver­zich­tet habe ich auf Com­mer­ci­als und auf Auf­trags­gra­fit­ti, bzw. auf alles, was augen­schein­lich mit Erlaub­nis der Eigen­tü­mer den öffent­li­chen oder öffent­lich ein­seh­ba­ren Raum mehr oder weni­ger ver­schö­nert. Mich reizt mehr das Unter­grün­di­ge.

War­um eigent­lich »Bie­le­feld, Han­no­ver«? Die Erklä­rung ist in ihrer Sim­pli­zi­tät nach­ge­ra­de tri­vi­al: Am 25. Juni habe ich eine Ver­ab­re­dung mit mei­nem Oku­la­ris­ten zur Anfer­ti­gung einer neu­en Augen­pro­the­se (Mer­ke: Alle, auf die ich ein Auge wer­fe, soll­ten in Deckung gehen!). Er resi­diert in Han­no­ver, und da ich genü­gend Zeit habe, neh­me ich die Kame­ra mit. Die Aus­beu­te ist erfreu­lich, doch zeigt sich bald, dass – zumin­dest zwi­schen den Metro­po­len Ost­west­fa­lens und Nie­der­sach­sens – nur gra­du­el­le Unter­schie­de in den Bot­schaf­ten lie­gen. In der Prä­sen­ta­ti­on sind auf­grund der Grö­ße und Lage der Objek­te die Loka­li­tä­ten nahe­zu unun­ter­scheid­bar, und so belas­se ich es bei der Aus­wahl aus die­sen bei­den Städ­ten.

Jetzt ist gut hier. Schaut euch die ande­ren Bei­trä­ge zu den Bot­schaf­ten an, klickt auf die Bil­der und stö­bert in der Gale­rie und hin­ter­lasst flei­ßig Kom­men­ta­re. Viel Spaß wünscht

Micha­el

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