Fastenwandern: Entschlacken im Alten Land

Es ist jetzt fast genau ein Jahr her, dass ihr mei­nen Bericht über das Fas­ten­wan­dern im grü­nen Esse­ner Süden lesen durf­tet. Der Autor die­ser Zei­len hat mit euch eini­ge Gedan­ken zum Ent­schla­cken, Deto­xie­ren und Darm­rei­ni­gen geteilt, und falls ihr eine gewis­se iro­ni­sche Distanz zu all dem Zau­ber bemerkt zu haben glaubt, dann könn­te das mit mei­ner iro­ni­schen Distanz zu dem gan­zen Zau­ber zu tun gehabt haben kön­nen. Und jetzt schreibt der Kerl schon wie­der übers Fas­ten? Ja hat der nicht genug davon?
Née. Hat er nicht. Wenn man sich von dem Zin­no­ber Drum­her­um löst, ist eine Woche mit viel Bewe­gung an fri­scher Luft, abseits vom All­tags­stress, auch bei mini­mal­ka­lo­ri­scher Ernäh­rung von hohem Erho­lungs­wert. Man erhält neue Ein­drü­cke, trifft inter­es­san­te Men­schen und ver­liert neben der ange­spann­ten Unaus­ge­gli­chen­heit auch ein paar Kilos.

Dies­mal geht’s also ins Alte Land, und bevor ich mich in der Beschrei­bung des dies­jäh­ri­gen Fas­ten­aben­teu­ers ver­lie­re, zei­ge ich euch hier einen der berühm­ten Apfel­bäu­me die­ses größ­ten zusam­men­hän­gen­den Obst­an­bau­ge­biets Euro­pas. Wie immer führt ein Klick aufs Bild in die Gale­rie.

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Apfel­baum auf dem Obst­hof Ueck, kurz vor der Blü­te


Wer öfter mei­ne Arti­kel liest, weiß, dass ich nach der Ein­lei­tung gern zum Anfang sprin­ge, um den Bericht an sei­nem Aus­gangs­punkt zu begin­nen. Hier will ich nicht anders ver­fah­ren. Ein Jahr nach dem letz­ten Fas­ten­er­leb­nis immer noch auf Arbeits­su­che, füh­le ich mich von den Erfolg­lo­sig­kei­ten mei­ner Bemü­hun­gen ziem­lich ange­pisst (ein ande­res Wort wäre nicht pas­send, lie­be zufäl­lig hier lesen­den Kin­der und Her­an­wach­sen­den!). Also ab ins Wel­ten­netz, die nächst­ver­füg­ba­re Fas­ten­tour aus­ge­sucht, die kurz vor einem Vor­stel­lungs­ter­min endet, und mit Vor­freu­de auf die Aus­zeit war­ten.

Am Mit­tag des 13. Mai (ein küh­ler, doch meist son­ni­ger Mon­tag) stei­ge ich ins Auto und mache mich mit einem Abste­cher über den Bux­te­hu­der Bahn­hof, wo ich eine mit dem Zug anrei­sen­de Teil­neh­me­rin abho­le, auf den Weg nach Jork. Schon die Exis­tenz von Bux­te­hu­de erscheint mir auf­grund des lus­ti­gen Namens schon immer frag­wür­di­ger als die der ost­west­fä­li­schen Metro­po­le Bie­le­feld, wohin­ge­gen Jork mehr noch als die Vor­ge­nann­ten eher eine Idee ist, die vage Mög­lich­keit einer mensch­li­chen Ansied­lung. Bestärkt wer­de ich in die­sem Ein­druck dahin­ge­hend, dass nach dem Pas­sie­ren des Orts­schil­des sich nie das Gefühl des Errei­chens einer Mit­te ein­stellt. REWE muss das ähn­lich sehen, sind doch in einem Abstand von ca. 800m an ein­und­der­sel­ben Stra­ße zwei etwa gleich­gro­ße Märk­te auf­ge­stellt. Weni­ger als 12.000 Ein­woh­ner ver­tei­len sich auf über 62qkm, die in 7 Orts­tei­le gesplit­tet sind. 3 Kirch­spie­le sor­gen für das See­len­heil der Jor­ker Glau­ben­den (oder erlaubt eine gen­der­neu­tra­le Spra­che noch die tra­di­tio­nel­len Gläu­bi­gen?) und hof­fent­lich auch Anders- oder Nicht­glau­ben­den. Kurz und gut, in dem rie­si­gen Are­al so etwas wie eine Mit­te zu fin­den ist nicht leicht. Es gibt so vie­le.

Wir sind in der Mit­te des Orts­teils Jork in die­sem schö­nen Hotel unter­bracht, und wer auf das Bild klickt, kann sich an der Foto­ga­le­rie mit Ein­drü­cken aus der unmit­tel­ba­ren Umge­bung erfreu­en.

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Hotel Sie­vers, Bür­ge­rei 6, Jork

Sehr schön von Außen, lei­der etwas ver­nach­läs­sigt im Innern, ein­fach ver­glas­te Holz­fens­ter mit tra­di­tio­nel­lem Ver­schluss, sim­pel, doch optisch schön und von his­to­ri­schem Wert, an diver­sen Stel­len springt die tra­di­tio­nell in den 50er und 60er Jah­ren ver­wen­de­te Ölfar­be ins Auge, mit der man­che Holz­ober­flä­che gestri­chen wur­de. Wer den Kas­ten kauft, hat eini­ges zu reno­vie­ren. Dass das Restau­rant geschlos­sen ist, beküm­mert uns hin­ge­gen nicht wei­ter.

Berich­tens­wert, den­ke ich, sei:

  • Der Fahr­rad­ver­leih einer freund­li­chen älte­ren Dame mit Velo­ci­peds in unter­schied­li­chen Zustän­den von Tech­nik und Pfle­ge, kei­nes jedoch per­fekt, mit einem Schloss, wel­ches sich zunächst Öff­nungs­ver­su­chen hart­nä­ckig wider­setz­te. Von der Fahr nach Bux­te­hu­de mit die­sen Fahr­rä­dern habe ich lei­der kein Bild, auch keins von den Velos. Dafür von Bux­te­hu­de, wo ich 3 Tage spä­ter den Augen­arzt heim­su­chen muss­te:
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Gie­ke­wer MARGARETA, Bux­te­hu­de

  • Die Wan­de­rung durch die Apfel­plan­ta­gen, die mit dem Sturz einer Teil­neh­me­rin ende­te, her­vor­ge­ru­fen durch eine aus dem Weg her­aus­ra­gen­de Draht­schlin­ge, und des­sen Fol­gen den Ein­satz des Not­arz­tes und einen Auf­ent­halt im Stader Kran­ken­haus erfor­der­lich mach­ten. Lie­be Kers­tin, ich hof­fe, dass alle Spu­ren ver­schwun­den sind und Dein Mann nicht mehr der Aus­übung häus­li­cher Gewalt ver­däch­tigt wird! Ein Bild von die­ser Wan­de­rung, aller­dings ohne Teil­neh­men­de, Not­arzt oder Stür­ze seht ihr hier:
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Haus mit sen­sa­tio­nel­lem Gar­ten. Irgend­wo am Rand von Jork

  • Die Bin­de­haut­rei­zung, die mich nötig­te, die Rad­t­tour nach Sta­de abzu­bre­chen und mit dem Taxi zurück­zu­fah­ren. Das Auge war so rot wie das von dem Kar­ni­ckel, das für Uschi Glas die Kos­me­tik tes­tet, die Augen­ärz­te machen in Sta­de am Don­ners­tag­nach­mit­tag blau und das ein­zi­ge Taxi, das mein Rad trans­por­tie­ren konn­te, war ein klei­ner Schul­bus, und damit kos­te­ten die 16km vom Sta­de nach Jork schlap­pe 45 Euro­nen. Egal, dem Auge geht’s wie­der gut. Immer­hin gibt es Bil­der aus Sta­de:
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His­to­ri­scher Hafen in Sta­de

  • Das ver­lo­re­ne Han­dy auf der Rad­tour nach Blan­ke­ne­se. Bemerkt wur­de der Ver­lust erst auf der ande­ren Elb­sei­te. Die Such­ex­pe­di­ti­on ver­lief erfolg­los. Lie­be Jas­min, ich hof­fe, das gute Stück ist wie­der auf­ge­taucht und auch dein ande­res gro­ßes Vor­ha­ben ist so ver­lau­fen, wie Du es Dir gewünscht hast! Hier ein Bild von dem Aus­flug:
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Elbein­mün­dung Cranz, Ebbe

Soviel zu den auf­re­gen­den Ereig­nis­sen, die ich nicht wei­ter aus­wal­zen möch­te (Getre­te­ner Quark wird breit, nicht stark, sag­te schon der Dich­ter­fürst). Die nicht auf­re­gen­den Ereig­nis­se sind eigent­lich auch kei­ne und fal­len in die­sem Bei­trag daher unter den Tisch. Stat des­sen gibt es noch ein paar Bil­der, zunächst vom Air­bus­ge­län­de Fin­ken­wer­der:

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Fin­ken­wer­der, Air­bus beim Start

In Lühe legt die Lühe-Schul­au-Fäh­re an

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Lühe-Schul­au-Fäh­re vor dem Anle­gen

Rund um Jork (eigent­lich noch inner­halb der 62 Jor­ker qkm) isses auch schön:

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Wind­müh­le in der Abend­son­ne

Sta­de hat nicht nur den his­to­ri­schen, son­dern auch den klei­nen Innen­stadt­ha­fen aus dem ich euch ein paar Impres­sio­nen mit­ge­bracht habe:

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His­to­ri­sches KÜMO »Greun­diek«. Fährt noch und kann gechar­tert wer­den

Last but not least die welt­be­kann­te Schiff­be­grü­ßungs­an­la­ge. Hier legt auch die Fäh­re nach Lühe ab.

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Schiffs­be­grü­ßungs­an­la­ge Will­komm-Höft am Schul­au­er Fähr­haus

Warnung!

Ein­ge­fleisch­te Fas­ten­gläu­bi­ge und Ako­ly­then hal­be­so­te­ri­scher Ernäh­rungs­my­then müs­sen jetzt ganz tap­fer sein.

Am Bes­ten gar nicht wei­ter­le­sen!

Wie, Du liest doch wei­ter? Dann auf eige­ne Gefahr. Du wur­dest gewarnt!

Was wäre ein Bericht über eine Fas­ten­wan­de­rung ohne Anmer­kun­gen zum Fas­ten? Nichts. Also her mit mei­nen Beob­ach­tun­gen:

Und jähr­lich grüßt das Mur­mel­tier: Man muss kein Anhän­ger der Klon­theo­rie sein um fest­zu­stel­len, dass zwi­schen Fas­ten­lei­ten­den in Deutsch­land Ähn­lich­kei­ten bes­ten, die selbst ein­ei­ige Zwil­lin­ge ver­blüf­fen kön­nen. Nur sind die halt von Außen nicht sicht­bar. Bei uns in Deutsch­land geht eigent­lich die gesam­te Fas­ten­wan­der­be­we­gung von dem Theo­lo­gen, Sozio­lo­gen und Poli­to­lo­gen Chris­toph Michl aus, der ursprüng­lich „Hun­ger­mär­sche“ ver­an­stal­te­te, um sich bei den Frie­dens- und Umwelt­be­we­gun­gen im In- und Aus­land Gehör zu ver­schaf­fen. Und der hat dann wohl beim Buchin­ger gespickt. So oder ähn­lich muss das gewe­sen sein. Den Buchin­ger las­sen wir hier mal raus, den hat­te ich schon in die­sem Arti­kel ver­wurs­tet. Wohl nahe­zu alle Fas­ten­lei­ten­den sind direkt oder indi­rekt durch Chris­toph Michl aus­ge­bil­det, so dass sich gewis­se Idio­syn­kra­si­en in der Fas­ten­be­we­gung her­aus­ge­bil­det haben. Dazu gehö­ren:

  • Das Abfüh­ren. Meis­tens mit Glau­ber­salz, sel­te­ner mit FX-Pas­sa­ge­salz, bei uns dies­mal mit Bit­ter­salz. Alle drei ech­te Kra­cher, beson­ders das Glau­ber­salz. Wirk­me­cha­nis­men- und wei­sen sind bra­chi­al. Mild und kör­per­freund­lich geht defi­ni­tiv anders. Wer gern in weni­gen Minu­ten über 2 Liter Kör­per­flüs­sig­keit ver­lie­ren und sei­nen Elek­tro­lythaus­halt über Stun­den irri­tie­ren möch­te, soll gern glau­bern.
  • Der Ein­lauf. Man mache ihn täg­lich. Er hilft gegen Migrä­ne, Ver­span­nun­gen, vege­ta­ti­ve Dys­to­nie jede Form von phy­si­scher oder psy­chi­scher Ver­stim­mung. Beson­ders die Buchin­ger­schla­cken, die damit mas­sen­wei­se aus den Ver­dau­ungs­or­ga­nen aus­ge­spült wer­den. Nach der fäl­li­gen Indok­tri­na­ti­on zur Ent­schla­ckung fragt man sich, wie der größ­te Teil der Mensch­heit ohne regel­mä­ßi­ge Ein­läu­fe über­le­ben kann. Beson­ders Ver­schlack­te bedie­nen sich der Hydro-Kolon-The­ra­pie. Getreu der Devi­se »Kei­ne Wir­kung ohne Neben­wir­kung« neh­men sie das Risi­ko der Ver­kei­mung und Darm­per­fo­ra­ti­on gern in Kauf, um ihre Darm­flo­ra nach­hal­tig zu schä­di­gen. Der Glau­be aber ver­setzt bekannt­lich Ber­ge, und so sorgt auch die­ser Unfug für Wohl­be­fin­den (oder es ist der Grup­pen­druck, da nie­mand gern vor den Ande­ren zugibt, dass die Ross­kur in Wirk­lich­keit gar nichts nutzt?) Gott sei Dank gibt es in Jork kein ent­spre­chen­des Ange­bot.
  • Das Ölzie­hen. Zuge­ge­be­ner­ma­ßen kann ich mich nicht ent­sin­nen, anno 2011 bei mei­nerm ers­ten Fas­ten­wan­de­rungs­ex­pe­ri­ment zum Ölzie­hen genö­tigt wor­den zu sein. Ich bin jedoch sicher, ich hät­te mich köst­lich amü­siert. Doch was sagt das Netz dazu? Auf einen kri­ti­schen Arti­kel kom­men ca. 2.000 Ako­ly­then, die ihren Glau­ben mit der Hart­nä­ckig­keit eines Zeu­gen Jeho­vas ver­tei­di­gen. Alle beru­fen sich auf einen angeb­li­chen rus­si­schen Arzt namens Fedor Karach (von dem sich nir­gends zitier­fä­hi­ge Arti­kel fin­den las­sen), auf uralte TCM (die Mao »erfun­den« hat) und auf ukrai­ni­sche und ayur­ve­di­sche Tra­di­tio­nen. Übri­gens fin­den wir dazu außer­halb des deutsch­spra­chi­gen Rau­mes kaum Behand­lungs­emp­feh­lun­gen. Und die Fach­leu­te? Einer redet Klar­text:

Das ist eso­te­ri­scher Schwach­sinn, der nach Schar­la­ta­ne­rie klingt«, stellt Peter Franz, Lei­ter der HNO-Abtei­lung in der Kran­ken­an­stalt Rudolfs­tif­tung in Wien rich­tig und geht auf wei­te­re Fra­gen gar nicht erst ein. Ein ver­nich­ten­des Urteil, das sich auch mit wis­sen­schaft­li­chen Stu­di­en nicht ent­kräf­ten lässt.

  • Die basi­sche Ernäh­rung. Ganz sicher eine der Grund­fes­ten, auf der die alter­na­ti­ve Gesund­heits­be­we­gung beruht. Und was ist davon zu hall­ten? Im nicht gera­de für sei­ne Nähe zur Lebens­mit­tel­in­dus­trie bekann­ten »Tages­spie­gel« sagt der Ernäh­rungs­wis­sen­schaft­ler Tho­mas Remer von der Uni­ver­si­tät Bonn:

Die Theo­ri­en sind 100 Jah­re alt, in der Zwi­schen­zeit gab es gro­ße wis­sen­schaft­li­che Fort­schrit­te, vie­le alter­na­ti­ve oder eso­te­ri­sche Ernäh­rungs­kon­zep­te las­sen die­se Erkennt­nis­se aller­dings unbe­rück­sich­tigt.“

  • Die Ver­teu­fe­lung der Genuss­gif­te, allen vor­an Kaf­fee. Das sei Gift, erfah­ren wir. Tee sei bes­ser. Schwar­zer Tee ist noch pfui, Grü­ner Tee schon wert­vol­ler, doch erst die viel­fäl­ti­gen Kräu­ter­auf­güs­se ver­spre­chen das Heil. Ein Kurio­sum am Ran­de: eine Teil­neh­me­rin, prak­ti­zie­ren­de MTA und mit die­sem Wis­sen sicher­lich eher Exper­tin als die übri­gen Anwe­sen­den, wagt die ket­ze­ri­sche Fra­ge, war­um ein­und­das­sel­be Kof­fe­in im Kaf­fee Gift und im Tee Segen sei. Es sei che­misch iden­tisch und docke an die­sel­ben Rezep­to­ren an. Es erhebt sich ein Sturm der Ent­rüs­tung, Kaf­fee wird als Gift ver­teu­felt und ohne­hin ist Star­bucks an allem Schuld, gemein­sam mit deer Lebens­mit­tel­in­dus­trie. Komisch, von den aus­ge­beu­te­ten und unter­be­zahl­ten Tee­plan­ta­gen­ar­bei­tern, die ohne Schutz­klei­dung im Gift­ne­bel der Sprüh­flug­zeu­ge ihre Skla­ven­ar­beit ver­rich­ten, von den pest­zid­ver­seuch­ten Tee­char­gen in deut­schen Super­märk­ten redet irgend­wie kei­ner. Tee ist halt doch was Beson­de­res.
  • Die häu­fig anzu­tref­fen­de Ableh­nung der Wis­sen­schaft. Schließ­lich, so lau­tet eine der belieb­te­ren Argu­men­ta­tio­nen, sei der mensch­li­che Orga­nis­mus kei­ne see­len­lo­se Maschi­ne, die mit »wis­sen­schaft­li­chen« Metho­den repa­riert wer­den kön­ne. Es sei immer eine ganz­heit­li­che Betrach­tungs­wei­se ange­bracht. Stimmt. Psy­che und Phy­sis gehen zusam­men. Aber das ist nicht des Pudels Kern. Wis­sen­schaft behaup­tet nicht, exakt zu sein und für Alles Kau­sal­ket­ten benen­nen zu kön­nen. Wis­sen­schaft, das ist exak­tes Beob­ach­ten, Aus­schlie­ßen von Feh­lern, Auf­stel­len von Hypo­the­sen, Über­prü­fung die­ser anhand der auf­ge­zeich­ne­ten Beob­ach­tun­gen und, falls nötig, das Ver­wer­fen und Neu­auf­stel­len als falsch erkann­ter Erklä­rungs­mus­ter. Wis­sen­schaft bezeich­net somit ein zusam­men­hän­gen­des Sys­tem von Aus­sa­gen, Theo­ri­en und Ver­fah­rens­wei­sen, das stren­gen Prü­fun­gen der Gel­tung unter­zo­gen wur­de und mit dem Anspruch objek­ti­ver, über­per­sön­li­cher Gül­tig­keit ver­bun­den ist. Genau dar­an hapert es regel­mä­ßig bei nahe­zu allen Alter­na­tiv­me­di­zin­frau­en- und män­nern.

Es gäbe noch mehr auf­zu­zäh­len. Die Mythen von der Ent­gif­tung über die Haut und spe­zi­ell über die Fuß­soh­len, zum Bei­spiel, eine wirk­lich herz­al­ler­liebs­te Marot­te. Basi­sche Strümp­fe und Mie­der. Die Glo­ri­fi­zie­rung vege­ta­ri­scher oder vega­ner Ernäh­rung. Käse, des­sen Ver­zehr zu Abla­ge­run­gen im Darm führt, die die Resorp­ti­on von Nähr­stof­fen ver­hin­dert. Han­dy­strah­len, Elek­tro­smog, und, und und. Ein Fest für Para­noi­ker und Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker. Alu­hü­te aller Län­der, ver­ei­nigt euch!

Orthor­ex­ia Ner­vo­sa, eine noch nicht durch einen eige­nen ICD-Code geadel­tes, sich gera­de im Ent­ste­hen befind­li­ches Krank­heits­bild, ist die krank­haf­te Sucht nach der »rich­ti­gen« Ernäh­rungs­wei­se, in ihren Aus­wüch­sen nicht weni­ger dra­ma­tisch als Ano­re­xie, Buli­mie und all die ande­ren lebens­be­droh­li­chen Ess­stö­run­gen. Eine Stö­rung, die in die­sem Umfeld einen nahe­zu idea­len Nähr­bo­den fin­det.

Kon­sens herrscht zwei­fels­frei zwi­schen mir, der Fas­ten­be­we­gung und den alter­na­ti­ven Ernäh­rungs­theo­re­ti­kern, dass Gemü­se klas­se ist, dass es aus­ge­zeich­ne­te vege­ta­ri­sche und vega­ne Rezep­te gibt, dass aus­ge­wo­ge­ne Ernäh­rung ein Segen ist. Nur, bei mir gehört dazu zwin­gend Fleisch, Wurst, Geflü­gel und Fisch, auch Insek­ten wür­de ich pro­bie­ren, wenn mich das Rezept anspricht. Ganz zu schwei­gen von But­ter, Käse, Joghurt, Eiern, all die­sen herr­li­chen tie­ri­schen Eiwei­ßen und Fet­ten. Wich­tig ist halt, dass die Tie­re bis zum Tod ein gutes Leben haben und dass auch ihr Tod kein unnö­ti­ges Lei­den ver­ur­sacht. Pro­biert mal ein Steak vom frei­lau­fend auf­ge­zo­ge­nen Cha­ro­lais-Rind, Kote­letts vom Bun­ten Bent­hei­mer oder Rücken vom Syl­ter Salz­wie­sen­lamm, dann wisst ihr, was ich mei­ne.

Kurz und Gut, Fas­ten ohne Mythen aus dem vor­let­zen Jahr­hun­dert, Essen ohne Ideo­lo­gie, das wäre es. Gleich­ge­sinn­te, mel­det euch, wir stel­len gemein­sam etwas auf die Bei­ne!

One Reply to “Fastenwandern: Entschlacken im Alten Land”

  1. Viktoria Rudnik

    Guten Mor­gen Micha­el!

    Habe sehn­süch­tig auf die ver­spro­che­nen Fotos gewar­tet und heu­te über­ra­schend noch einen lus­ti­gen Text dazu bekom­men. Habe mich tot gelacht, obwohl man­che Wör­ter ich noch nach­schla­gen wer­de, weil unbe­kannt. Aber lus­tig ist es und schon irgend­wie böse, glau­be nicht, dass Du viel fan post bekommst. Habe auch Dei­ne Inter­net­sei­te flei­ßig stu­diert, gefällt mir gut, wobei du viel abschweifst und ich dann den Faden ver­lie­re und muss wie­der zurück den­ken, was war denn »des Pudels Kern«, um dich zu zitie­ren. Ich bin auch bis jetzt nicht auf die Beschrei­bung vom letz­ten Jahr gesto­ßen, erst jetzt hast einen Link hin­zu­ge­fügt und ich will ihm fol­gen. Wün­sche Dir noch einen schö­nen Tag!!!

    Vik­to­ria

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