The best laid schemes …

The best-laid sche­mes o‹ mice an‹ men

Gang aft agley,

An‹ lea’e us nought but grief an‹ pain,

For promis’d joy!“ …

… wuss­te schon 1785 der schot­ti­sche Natio­nal­dich­ter Robert Burns. Ich weiß das jetzt auch.

Best-laid sche­me: Ein Ter­min in Pots­dam, zwei Tage inter­es­san­ter Kon­gress, Anrei­se am 6. Mai. Fahrt­kar­ten gebucht. Promis‘d joy: 1. Klas­se zum Spar­ta­rif, dank Bahn­card 25 rich­tig bil­lig, ent­spannt und umwelt­freund­lich ankom­men, dann erst­mal in die hotel­ei­ge­ne Sau­na. Grief an‘ pain: Lok­füh­rer­streik ange­kün­digt. Der Blick in den Ersatz­fahr­plan. Wie­der promis’d joy: ja, mein Zug fährt. Dann die kal­te Dusche, grief an‘ pain: in Bran­den­burg bestreikt Ver.Di den ÖPNV. Alle mög­li­chen Ver­bin­dun­gen vom Ber­li­ner Haupt­bahn­hof nach Pots­dam Pirsch­hei­de zei­gen rote Warn­hin­wei­se wegen teil­wei­sem bis völ­li­gem Aus­fall der betei­lig­ten Ver­kehrs­mit­tel. Fern­bus­plät­ze sind auch nicht mehr zu bekom­men und bei Bla­Bla­Car strah­len außer dem Namen auch die Pro­fi­le und Bewer­tun­gen der Fah­rer kaum die Ver­trau­ens­wür­dig­keit und Serio­si­tät aus, die ich von Men­schen und Orga­ni­sa­tio­nen erwar­te, denen ich mein Leben anver­traue. Ein kur­zer Blick in den Taxi­preis­rech­ner über­zeugt mich davon, dass jen­seits des ÖPNV kei­ne wirt­schaft­li­chen Alter­na­ti­ven zu fin­den sind. Gang aft agley, mein best-laid sche­me! Es wird teu­rer mit dem eige­nen Kfz, und für mich als Arbeits­lo­sen gibt es auch kei­nen Chef, der die Kos­ten über­nimmt. Die Umwelt lei­det an Super E-10 anstatt Öko­strom, und nicht ent­spann­tes Rei­sen erwar­tet mich, son­dern Stau und Stress auf über­füll­ten Auto­bah­nen.

Mein Dank gilt den Her­ren Weselsky und Weber, mein Wunsch an die Poli­tik ist eine grund­ge­setz­kon­for­me Pflicht zur Tarif­ein­heit, zusam­men mit einem rund­erneu­er­ten Streik­recht, das vor einer Arbeits­nie­der­le­gung das Aus­lo­ten aller ande­ren Optio­nen bis hin zur Schlich­tung zwin­gend vor­schreibt. Anders, so scheint mir, las­sen sich Akzep­tanz von Gewerk­schaf­ten und Streik­recht in brei­ten Tei­len der Bevöl­ke­rung nicht mehr ret­ten. Ver­hält­nis­se wie im Eng­land der Eiser­nen Lady mit ent­mach­te­ten Gewerk­schaf­ten und einem his­to­risch nied­ri­gen Orga­ni­sa­ti­ons­grad der Arbeit­neh­mer­schaft will ich in mei­nem Land nicht erle­ben. Fast bin ich ver­sucht, die Initia­ti­ve „Neue sozia­le Markt­wirt­schaft“ und ein paar durch­ge­knall­te Tea-Par­ty-Feti­schis­ten als Initia­to­ren hin­ter dem #Bahn­streik zu sehen, die am Ende die Trüm­mer auf­keh­ren und in Deutsch­land das gewerk­schafts­freie Para­dies des Neo­li­be­ra­lis­mus aus­ru­fen. Doch das klingt zu sehr nach Ver­schwö­rungs­theo­rie, obwohl, bei nähe­rer Betrach­tung, ganz ohne Sub­stanz ist das nicht. Ich setz­te mir jetzt mei­nen Aluhut auf, kon­trol­lie­re den Erd­strah­len­de­flek­tor und beob­ach­te bei einem Glas pro­gram­mier­ten Was­ser die Chem­trails. Viel Spaß in den Staus!

PS Ich wer­de nicht bezahlt. Weder von den gro­ßen Gewerk­schaf­ten, noch von Arbeit­ge­ber­or­ga­ni­sa­tio­nen, auch nicht von der Tea-Par­ty. Aber: ich bin käuf­lich. Seriö­se Ange­bo­te bit­te in die­sem Blog als Kom­men­tar oder bei Twit­ter, @michaelswelt.

PPS Über­le­gun­gen eines Nicht­ju­ris­ten zum Umgang mit den Ver­fas­sungs­rech­ten Koali­ti­ons­frei­heit, Streik­recht und Tarif­au­to­no­mie gibt es dem­nächst in die­sem Blog. Vor­aus­ge­setzt, ich kom­me mit dem Auto nach Pots­dam und am Frei­tag zur schöns­ten Haupt­ver­kehrs­zeit wie­der zurück 🙂

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