Ostwestfalens Perlen – Der Whisky Room in Bielefeld

»Wie bist Du eigent­lich zum Whis­ky gekom­men«, fra­ge ich Clau­dia. »Jemand hat mir eine Fla­sche geschenkt. Das ist jetzt gut zwan­zig Jah­re her.« »Und der hat dir so gut geschmeckt, dass du zur Whis­ky­bot­schfte­rin …?« »Nein«, unter­bricht sie mich lachend. »Der Whis­ky war scheuß­lich. Da habe ich mir gedacht, wenn so vie­le Men­schen Whis­ky trin­ken, muss es irgend­wo auch den Guten geben. Ich habe mich also auf die Suche gemacht, und dann habe ich mein altes Büro in Güters­loh aus­ge­räumt und dar­in mei­nen ers­ten Whis­ky­la­den auf­ge­macht. Mit nicht wei­ger als 140 aus­ge­such­ten Rari­tä­ten. Die gan­ze Akti­on hat gera­de ein­mal vier Wochen gedauert.«

Clau­dia Kulig beim Unter­neh­men. Das Bild darf als typisch gelten

Das Wort »Unter­neh­mer« lei­tet sich von »etwas unter­neh­men« ab. Wenn man sich mit Clau­dia Kulig unter­hält, der Inha­be­rin des Whis­ky Rooms in Bie­le­feld, wird einem unmit­tel­bar klar, wie­so. Clau­dia ist Unter­neh­me­rin mit Herz­blut. Stellt sich ihr ein Hin­der­nis in den Weg, unter­nimmt sie alles, es zu besei­ti­gen. Gleich beim Start des jun­gen Unter­neh­mens gibt es Schwie­rig­kei­ten: Whis­ky-Hou­se soll es hei­ßen, doch ein Mit­be­wer­ber macht Namens­schutz­rech­te gel­tend. Qua­si über Nacht wird aus dem Hou­se ein Room und allem Rechts­streit ist Grund ent­zo­gen. Jetzt kann Clau­dia sich ganz auf das Geschäft kon­zen­trie­ren. Der Kun­den­stamm wächst. Aus ganz Deutsch­land strö­men die Whis­ky­con­nais­seu­re nach Güters­loh. Die logi­sche Fol­ge: der Inter­net-Shop. Dazu gleich mehr.

Kein Alko­hol ist sicher auch kei­ne Lösung

In mei­nen Wor­d­Press-Kur­sen war­ne ich geflis­sent­lich vor den Machen­schaf­ten der Abmahn­in­dus­trie. Was dem ein­zel­nen Blog­ger ein tie­fes Loch in die Brief­ta­sche rei­ßen kann, ist für Inter­netshop­be­trei­ber unter Umstän­den sogar existenzbedrohlich.

Clau­dia erzählt mir, wie sie in die Abmahn­fal­le getappt ist: »Whis­ky wird häu­fig mit Zucker­cou­leur ver­setzt, um ihm die schö­ne gold­gel­be Far­be zu geben. Das ist eine natür­li­che Metho­de, und daher völ­lig unbe­denk­lich. Wir haben tat­säch­lich bei einem Whis­ky die Ver­wen­dung von Zucker­cou­leur falsch dekla­riert, und schon war die Abmah­nung da.« »Was hast Du dann gemacht?« will ich wis­sen. »Was wohl. Ich habe den Inter­netshop über Nacht vom Netz genom­men. Damit hat sich die Abmah­nung erle­digt.« »Ein­fach so?« »Ja, Ich zah­le so einem Ver­bre­cher doch nicht auch noch Geld!« Sie lacht. Manch­mal gibt es doch ein­fa­che Lösun­gen. Ob es ihrem Geschäft nicht gescha­det hat? »Auf lan­ge Sicht? Eher nicht. Hier im Laden erhal­ten die Kun­den gute Bera­tung und kön­nen vie­le Sor­ten pro­bie­ren. Dafür neh­men sie die Anfahrt gern in Kauf.«

Wie auf Kom­man­do betritt ein Kun­de das Geschäft und ich kann am leben­den Objekt stu­die­ren, was Bera­tung aus­macht. Der Besu­cher, der von der Fül­le des Ange­bots leicht erschla­gen wirkt, wird geschickt mit Fra­gen nach sei­ner Vor­kennt­nis in Sachen Whis­ky, per­sön­li­chen Geschmacks­vor­lie­ben und preis­li­cher Vor­stel­lung ziel­ge­nau zu den Sor­ten geführt, die sei­nen Vor­stel­lun­gen ent­spre­chen. Von viel­leicht über zwei­hun­dert Fla­schen redu­ziert sich sei­ne Aus­wahl auf noch drei oder vier. Aus Ver­wir­rung wird Sicher­heit. Mit dem guten Gefühl ver­lässt der Kun­de den klei­nen Laden, nicht ohne sich vor­her von mir foto­gra­fie­ren zu las­sen. Dabei bestä­tigt er mir, was auch schon die Che­fin sag­te: selbst­ver­ständ­lich sei er bereit, für gute Qua­li­tät und gute Bera­tung auch den ent­spre­chen­den Preis zu ent­rich­ten. (Vom Ver­fas­ser die­ser Zei­len stammt die Ergän­zung, dass das meist nicht nötig ist. So man­cher Whis­ky, den Clau­dia anbie­tet, hat er im Super­markt schon teu­rer gesehen)

Ein typi­scher Kun­de in ange­mes­sen rat­lo­ser Pose

»Whis­ky und Zigar­ren. Da kom­men ja wohl über­wie­gend Män­ner«, den­ke ich laut. Ein Irr­tum, der schnell kor­ri­giert wird. »Seit Jah­ren steigt der Frau­en­an­teil unter mei­nen Kun­den an«, klärt mich Clau­dia auf. »Selbst bei Tas­tings sind schon häu­fig mehr als ein Drit­tel der Gäs­te weib­lich«. »Und das Alter?« »Von acht­zehn bis acht­zig ist alles ver­tre­ten«. Eine Aus­sa­ge, die die Che­fin dann doch noch prä­zi­sie­ren muss. »Beim Gin gibt es ein Phä­no­men. Der spricht älte­re Män­ner beson­ders an. Viel­leicht erin­nert er sie an an den frü­her so belieb­ten Wach­hol­der­schnaps. Bei den jün­ge­ren Leu­ten ist Gin ein­fach hip.«

Hier steht der Gin im Vordergrund

Mit die­ser Aus­sa­ge kom­me ich dann auch zur Fest­stel­lung, dass der Name »Whis­ky­room« fast schon irre­füh­rend ist. Wenn auch uis­ge bea­tha, wie die Schot­ten sagen (gespro­chen: [ɯʃkʲe ›bɛha]), das Was­ser des Lebens, nach wie vor den größ­ten Platz im Sor­ti­ment ein­nimmt, sind auch Absin­the, Bran­dy, Cal­va­dos, Cognac, Gin, Grap­pa, Obst­ler, Pis­co, Port, Rum, Tequi­la und Wod­ka erhält­lich, eben­falls mit eben­so freund­li­cher wie qua­li­fi­zier­ter Bera­tung. Mir hat es übri­gens der Rum ange­tan, und für einen guten Bran­dy las­se ich mitt­ler­wei­le den Cognac ste­hen. Zigar­ren gibt es dank der Koope­ra­ti­on mit einem alt­ein­ge­ses­se­nen Bie­le­fel­der Tabak­wa­ren­händ­ler natür­lich auch dazu.

Der Humi­dor war­tet gera­de dar­auf, neu bestückt zu wer­den. Die Lee­re ist untypisch.

Es wird Zeit, ein klei­nes Fazit zu zie­hen. Size doesn’t mat­ter, stün­de an ers­ter Stel­le. Von der nicht vor­han­de­ne Grö­ße des Laden­ge­schäf­tes auf das Sor­ti­ment zu schlie­ßen wäre ein fata­ler Feh­ler. Die Wie­der­ho­lung des fal­schen Man­tras, Qua­li­tät müs­se teu­er sein, ein wei­te­rer. Qua­li­tät hat ihren Preis, sicher. Die Prei­se des Whis­ky­rooms müs­sen sich vor denen der gro­ßen Märk­te nicht ver­ste­cken. Den freund­li­che, mensch­li­chen Kon­takt, die qua­li­fi­zier­te Bera­tung, die anhei­meln­de Atmo­sphä­re, und nicht zuletzt den freund­lich kre­denz­ten Pro­bier­schluck, das aller­dings sucht man im Super­markt vergebens.

Gold­stras­se 9 in Bie­le­feld. Wie man sieht, eine gute Adresse

Den Whis­ky­room fin­den Sie in der Alt­stadt, unweit der Fuß­gän­ger­zo­ne: Gold­stra­ße 9, 33602 Bie­le­feld. Tele­fon 0521÷329677−23.

Anmer­kun­gen in eige­ner Sache: Der Bei­trag ist auf Drän­gen sei­nes Ver­fas­sers ent­stan­den und wur­de nicht gespon­sert. Alle ver­meint­lich wört­li­che Rede ent­stammt den Erin­ne­run­gen des Ver­fas­sers und ist in des­sen Wor­ten wie­der­ge­ge­ben. Die Bil­der ent­stan­den mit Ein­ver­ständ­nis der abge­bil­de­ten Personen. 

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