Wir müssen über Jerusalem reden

Trump gießt Öl ins Feu­er

So titelt – als eine Publi­ka­ti­on von vie­len – in trau­ter Ein­tracht mit nahe­zu allen Pres­se­or­ga­nen – auch katho​lisch​.de. Joa­chim Valen­tin, Direk­tor des katho­li­schen Kul­tur- und Begeg­nungs­zen­trums »Haus am Dom« in Frank­furt am Main und Vor­sit­zen­der des Frank­fur­ter Rates der Reli­gio­nen, lässt uns wis­sen:

»Lei­der gesche­hen aktu­ell gehäuft Din­ge, die bis­her unvor­stell­bar schie­nen und also auch kei­nes Kom­men­tars bedurft hät­ten. Dies gilt aktu­ell für die Ent­schei­dung Donald Trumps, die US-Ame­ri­ka­ni­sche Bot­schaft nach Jeru­sa­lem zu ver­le­gen und die Stadt so – unter Miss­ach­tung des paläs­ti­nen­si­schen Anspruchs auf Ost-Jeru­sa­lem – als israe­li­sche Haupt­stadt anzu­er­ken­nen.«

Das kann ich so nicht ste­hen las­sen. 

Jeru­sa­lem ist seit dem 4. Janu­ar 1950 durch Beschluss der Knes­set Haupt­stadt Isra­els. Eine »Aner­ken­nung«, gleich wel­cher Form, ist völ­ker­recht­lich nicht erfor­der­lich. Oder erin­nern Sie sich, dass die Ent­schei­dung des Deut­schen Bun­des­ta­ges 1990, Ber­lin zur Haupt­stadt des wie­der­ver­ei­nig­ten Deutsch­lands zu wäh­len, von auch nur einem ein­zi­gen Staat rati­fi­ziert wer­den muss­te?

Am Sta­tus Quo der Stadt ändert sich durch die Ver­le­gung der Bot­schaft exakt nichts. In sei­ner Rede zur Ent­schei­dung hat Prä­si­dent Trump eben­falls klar deut­lich gemacht, dass er am Sta­tus Quo exakt nichts zu ändern gedenkt. Aber las­sen wir den Prä­si­den­ten selbst zu Wort kom­men:

»Wir neh­men kei­ne Stel­lung zu irgend­wel­chen end­gül­ti­gen Sta­tus­fra­gen, ein­schließ­lich der spe­zi­fi­schen Gren­zen der israe­li­schen Sou­ve­rä­ni­tät in Jeru­sa­lem oder der Lösung von umstrit­te­nen Gren­zen. Die­se Fra­gen sind Sache der betei­lig­ten Par­tei­en.

Ohne Fra­ge ist Jeru­sa­lem eines der hei­kels­ten The­men in die­sen Gesprä­chen. Die Ver­ei­nig­ten Staa­ten wür­den eine Zwei-Staa­ten-Lösung unter­stüt­zen, wenn bei­de Sei­ten zustim­men. In der Zwi­schen­zeit for­de­re ich alle Par­tei­en auf, den Sta­tus quo an den hei­li­gen Stät­ten Jeru­sa­lems zu erhal­ten, ein­schließ­lich des Tem­pel­bergs, der auch als Haram al-Sharif bekannt ist. Unse­re größ­te Hoff­nung ist und bleibt der Frie­den, die uni­ver­sel­le Sehn­sucht in jeder mensch­li­chen See­le.«

De fac­to haben die USA und Deutsch­land Jeru­sa­lem längst als Haupt­stadt Isra­els akzep­tiert. Ich erin­ne­re nur an die Rede Geor­ge W. Bushs im Mai 2008 vor der Knes­set anläss­lich des 60. Jah­res­ta­ges der israe­li­schen Staats­grün­dung, oder an Kanz­le­rin Mer­kels Rede vor der Knes­set am 18. März 2008. Der Sitz der Knes­set ist Jeru­sa­lem. Mehr »Aner­ken­nung« Jeru­sa­lems als Haupt­stadt Isra­els, als durch eine Rede vor dem gewähl­ten Par­la­ment eben­dort, ist diplo­ma­tisch nicht denk­bar.

Ent­spre­chend mode­rat fal­len, von dem noto­risch laut spre­chen­den Sul­tan in Anka­ra ein­mal abge­se­hen, die Pro­tes­te in der mus­li­mi­schen Welt aus. Ledig­lich die soge­nann­ten Befrei­ungs­or­ga­ni­sa­tio­nen der soge­nann­ten Paläs­ti­nen­ser machen wie­der ein­mal durch Gewalt und Ter­ror auf sich auf­merk­sam. Doch täten sie das auch ganz ohne äuße­ren Anlass, ist doch die Ver­nich­tung des ver­hass­ten Juden­staa­tes Teil ihrer poli­ti­schen Gene­tik: Lesen Sie die Arti­kel 7 und 13 der Grün­dungs­char­ta der Hamas und die Arti­kel 4, 7, 8, 9 und 12 (»Die voll­stän­di­ge Befrei­ung von Paläs­ti­na und die Aus­rot­tung der zio­nis­ti­schen wirt­schaft­li­chen, poli­ti­schen, mili­tä­ri­schen und kul­tu­rel­len Exis­tenz«) der Ver­fas­sung der Fatah. Ich kann nach dem, was dort steht, jed­we­den »Frie­dens­pro­zess« der »Paläs­ti­nen­ser« nur als zyni­sche Far­ce anse­hen. 

Wer gießt noch­mal Öl ins Feu­er? Prä­si­dent Trump? Nein, IMHO nur die, die sich vor den Kar­ren der PLO span­nen las­sen. Die Per­spek­ti­ve der Ver­tre­ter der Paläs­ti­nen­ser ist nach wie vor die Been­di­gung der Exis­tenz Isra­els.

Trump hat IMHO nichts wei­ter getan, als die Rea­li­tät anzu­er­ken­nen. Alle Auf­re­gun­gen, War­nun­gen und hys­te­ri­schen Reak­tio­nen sind über­flüs­sig. Eine star­ke War­nung soll­te den­noch aus­ge­spro­chen wer­den: An die gewalt­tä­ti­gen »Paläs­ti­nen­ser«, vor den Fol­gen ihrer Gewalt. Die­se War­nung wäre wich­tig und rich­tig.

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