Wir müssen über Jerusalem reden

Trump gießt Öl ins Feu­er

So titelt – als eine Publi­ka­ti­on von vie­len – in trau­ter Ein­tracht mit nahe­zu allen Pres­se­or­ga­nen – auch katho​lisch​.de. Joa­chim Valen­tin, Direk­tor des katho­li­schen Kul­tur- und Begeg­nungs­zen­trums »Haus am Dom« in Frank­furt am Main und Vor­sit­zen­der des Frank­fur­ter Rates der Reli­gio­nen, lässt uns wis­sen:

»Lei­der gesche­hen aktu­ell gehäuft Din­ge, die bis­her unvor­stell­bar schie­nen und also auch kei­nes Kom­men­tars bedurft hät­ten. Dies gilt aktu­ell für die Ent­schei­dung Donald Trumps, die US-Ame­ri­ka­ni­sche Bot­schaft nach Jeru­sa­lem zu ver­le­gen und die Stadt so – unter Miss­ach­tung des paläs­ti­nen­si­schen Anspruchs auf Ost-Jeru­sa­lem – als israe­li­sche Haupt­stadt anzu­er­ken­nen.«

Das kann ich so nicht ste­hen las­sen. 

Jeru­sa­lem ist seit dem 4. Janu­ar 1950 durch Beschluss der Knes­set Haupt­stadt Isra­els. Eine »Aner­ken­nung«, gleich wel­cher Form, ist völ­ker­recht­lich nicht erfor­der­lich. Oder erin­nern Sie sich, dass die Ent­schei­dung des Deut­schen Bun­des­ta­ges 1990, Ber­lin zur Haupt­stadt des wie­der­ver­ei­nig­ten Deutsch­lands zu wäh­len, von auch nur einem ein­zi­gen Staat rati­fi­ziert wer­den muss­te?

Am Sta­tus Quo der Stadt ändert sich durch die Ver­le­gung der Bot­schaft exakt nichts. In sei­ner Rede zur Ent­schei­dung hat Prä­si­dent Trump eben­falls klar deut­lich gemacht, dass er am Sta­tus Quo exakt nichts zu ändern gedenkt. Aber las­sen wir den Prä­si­den­ten selbst zu Wort kom­men:

»Wir neh­men kei­ne Stel­lung zu irgend­wel­chen end­gül­ti­gen Sta­tus­fra­gen, ein­schließ­lich der spe­zi­fi­schen Gren­zen der israe­li­schen Sou­ve­rä­ni­tät in Jeru­sa­lem oder der Lösung von umstrit­te­nen Gren­zen. Die­se Fra­gen sind Sache der betei­lig­ten Par­tei­en.

Ohne Fra­ge ist Jeru­sa­lem eines der hei­kels­ten The­men in die­sen Gesprä­chen. Die Ver­ei­nig­ten Staa­ten wür­den eine Zwei-Staa­ten-Lösung unter­stüt­zen, wenn bei­de Sei­ten zustim­men. In der Zwi­schen­zeit for­de­re ich alle Par­tei­en auf, den Sta­tus quo an den hei­li­gen Stät­ten Jeru­sa­lems zu erhal­ten, ein­schließ­lich des Tem­pel­bergs, der auch als Haram al-Sharif bekannt ist. Unse­re größ­te Hoff­nung ist und bleibt der Frie­den, die uni­ver­sel­le Sehn­sucht in jeder mensch­li­chen See­le.«

De fac­to haben die USA und Deutsch­land Jeru­sa­lem längst als Haupt­stadt Isra­els akzep­tiert. Ich erin­ne­re nur an die Rede Geor­ge W. Bushs im Mai 2008 vor der Knes­set anläss­lich des 60. Jah­res­ta­ges der israe­li­schen Staats­grün­dung, oder an Kanz­le­rin Mer­kels Rede vor der Knes­set am 18. März 2008. Der Sitz der Knes­set ist Jeru­sa­lem. Mehr »Aner­ken­nung« Jeru­sa­lems als Haupt­stadt Isra­els, als durch eine Rede vor dem gewähl­ten Par­la­ment eben­dort, ist diplo­ma­tisch nicht denk­bar.

Ent­spre­chend mode­rat fal­len, von dem noto­risch laut spre­chen­den Sul­tan in Anka­ra ein­mal abge­se­hen, die Pro­tes­te in der mus­li­mi­schen Welt aus. Ledig­lich die soge­nann­ten Befrei­ungs­or­ga­ni­sa­tio­nen der soge­nann­ten Paläs­ti­nen­ser machen wie­der ein­mal durch Gewalt und Ter­ror auf sich auf­merk­sam. Doch täten sie das auch ganz ohne äuße­ren Anlass, ist doch die Ver­nich­tung des ver­hass­ten Juden­staa­tes Teil ihrer poli­ti­schen Gene­tik: Lesen Sie die Arti­kel 7 und 13 der Grün­dungs­char­ta der Hamas und die Arti­kel 4, 7, 8, 9 und 12 (»Die voll­stän­di­ge Befrei­ung von Paläs­ti­na und die Aus­rot­tung der zio­nis­ti­schen wirt­schaft­li­chen, poli­ti­schen, mili­tä­ri­schen und kul­tu­rel­len Exis­tenz«) der Ver­fas­sung der Fatah. Ich kann nach dem, was dort steht, jed­we­den »Frie­dens­pro­zess« der »Paläs­ti­nen­ser« nur als zyni­sche Far­ce anse­hen. 

Wer gießt noch­mal Öl ins Feu­er? Prä­si­dent Trump? Nein, IMHO nur die, die sich vor den Kar­ren der PLO span­nen las­sen. Die Per­spek­ti­ve der Ver­tre­ter der Paläs­ti­nen­ser ist nach wie vor die Been­di­gung der Exis­tenz Isra­els.

Trump hat IMHO nichts wei­ter getan, als die Rea­li­tät anzu­er­ken­nen. Alle Auf­re­gun­gen, War­nun­gen und hys­te­ri­schen Reak­tio­nen sind über­flüs­sig. Eine star­ke War­nung soll­te den­noch aus­ge­spro­chen wer­den: An die gewalt­tä­ti­gen »Paläs­ti­nen­ser«, vor den Fol­gen ihrer Gewalt. Die­se War­nung wäre wich­tig und rich­tig.

Wir müssen uns Martin von Tours als pragmatischen Menschen vorstellen

An einem Win­ter­tag, um 334 nach Chris­tus, im damals heid­ni­schen Ami­ens, traf Mar­ti­nus, Offi­zier der kai­ser­li­chen Gar­de, auf einen höchst unzu­rei­chend beklei­de­ten Bett­ler. Er teil­te sei­nen Man­tel mit der schar­fen Klin­ge sei­ne Schwer­tes in zwei Tei­le und bedeck­te mit der einen Hälf­te den Armen. Wir dür­fen getrost davon aus­ge­hen, dass er ihn damit vor dem unmit­tel­ba­ren Käl­te­tod bewahrt hat.

unbe­kann­ter Künst­ler; foto­gra­fiert von Sebas­ti­an Sig­ler – Archiv Sebas­ti­an Sig­ler

Mar­ti­nus, zu die­ser Zeit noch kein Christ, han­del­te nach den Wor­ten Jesu ( Mat­thä­us 25,36 – »Ich bin nackt gewe­sen und ihr habt mich geklei­det« und Mat­thä­us 25,40 »Was ihr getan habt einem von die­sen mei­nen gerings­ten Brü­dern, das habt ihr mir getan.«). Sei­ne selbst­lo­se Tat hat ihn in die ers­te Rie­ge der katho­li­schen Hei­li­gen kata­pul­tiert.

War­um eigent­lich?

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Eine Frage des Anstands

Am 15. Janu­ar 2016 habe ich die­se Zei­len get­wit­tert. Heu­te möch­te ich Ihnen erzäh­len, war­um.

Alles beginnt mit einem Todes­fall. Es ist Frei­tag, der 13. Janu­ar, als Dr. Udo Ulfkot­te stirbt und mein Leben betritt. Vor­her, das muss ich zuge­ben, habe ich ihn nicht gekannt. Den Namen, klar, den hat­te ich gehört. Ulfkot­te, der abtrün­ni­ge FAZ-Jour­na­list, Star­au­tor des Kopp-Ver­lags, der Mann, der hin­ter dem Offen­sicht­li­chen das gro­ße Geheim­nis such­te, die Welt­ver­schwö­rung, einer der Stars der glo­ba­len Aluhut­trä­ger­ge­sell­schaft. Wann immer ich sei­nen Namen im Zusam­men­hang mit einer Ver­öf­fent­li­chung sehe, mache ich, dass ich weg­kom­me. Blät­tern Sie wei­ter, es gibt hier nichts zu lesen. Nur Ulfkot­te.

Jetzt ist er tot, und auf Twit­ter ist ein selt­sa­mes Schau­spiel zu beob­ach­ten: wild­frem­de Men­schen sen­den ihre Freu­de, ja, ihren Jubel über Ulfkot­tes Able­ben in die Welt hin­aus. Mit hämi­schen, bösen, geschmack­lo­sen Wor­ten. Die weit mehr als »klamm­heim­li­che Freu­de« erin­nert mich an den Göt­tin­ger »Mes­ca­le­ro«-Text »Buback – ein Nach­ruf« aus dem April 1977:

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It’s democracy, stupid! Part I

By Sven Teschke Ste­schke (Own work) [CC BY-SA 2.0 de (http://​crea​ti​ve​com​mons​.org/​l​i​c​e​n​s​e​s​/​b​y​-​s​a​/​2​.​0​/​d​e​/​d​e​e​d​.en)], via Wiki­me­dia Com­mons

Muss man die AfD ver­tei­di­gen? Bestimmt nicht. Die not­lei­den­de Demo­kra­tie aller­dings, die hat Für­spre­cher drin­gend nötig. Ein Bei­trag über das Demo­kra­tie­ver­ständ­nis von Tei­len der deut­schen Pres­se nach den Land­tags­wah­len 2016.

Er hat­te es fast geschafft. Bei­na­he hät­te Kai Diek­mann es geschafft, mich davon zu über­zeu­gen, dass die BILD eine Zei­tung sei und ihr Her­aus­ge­ber doch ein ernst­zu­neh­men­der Publi­zist. Heu­te, nach den Land­tags­wah­len 2016, ver­mag ich denen, die BILD und Herrn Diek­mann die­se Eigen­schaf­ten abspre­chen, nicht mehr über­zeu­gend zu wider­spre­chen. Scha­de, denn auf eine BILD mit pha­sen­wei­se erkenn­ba­rer Serio­si­tät hät­te ich mich gefreut.

Die ers­te Über­zeu­gung fiel mit der Flücht­lings­kri­se. Seit Sep­tem­ber 2015 ver­such­te die BILD, sich ihr Allein­stel­lungs­merk­mal durch die völ­lig kri­tik­lo­se Über­nah­me der Kanz­le­rin­po­si­ti­on zu ver­schaf­fen. Im Chor der Qua­li­täts­me­di­en, die das Hohe­lied der Vor­sit­zen­den der Ein­heits­re­gie­rung der Deut­schen Demo­kra­ti­schen Bun­des­re­pu­blik san­gen, erhob sich die ehe­ma­li­ge Pro­jek­ti­ons­flä­che lin­ker Ver­ach­tung des Esta­blish­ments der alten Repu­blik zur ers­ten Stim­me der Sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Ein­heits­uni­on (CDUSPDGRÜNEFDP, in Tei­len auch DIELINKE) Deutsch­lands.

Die zwei­te Über­zeu­gung wur­de ges­tern, am 14.3.2016, pul­ve­ri­siert. Der Moment, in dem sich Herr Diek­mann zumin­dest vor­läu­fig aus der Gemein­schaft der zurech­nungs­fä­hi­gen Zei­tungs­ma­cher her­aus- und in die Umlauf­bahn der glo­ba­len Aluhut­ge­sell­schaft hin­ein­schoß, liegt jetzt, da die­se Zei­len ent­ste­hen, ca. 16 Stun­den zurück. Völ­lig unver­hoh­len stell­te der Her­aus­ge­ber, also der ers­te Mann der immer noch auf­la­gen­stärks­ten Zei­tung Deutsch­lands, die AfD mit der NSDAP gleich.

Quelle: Eigener Screenshot von Kai Diekmanns Twitteraccount @KaiDiekmann

Diek­manns Para­noia: die AfD als neue NSDAP. Quel­le: Eige­ner Screen­shot von Kai Diek­manns Twit­ter­ac­count @KaiDiekmann

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Die neuen Rechten, verständlich erklärt – Ergänzungen zu den Krautreportern

Klick und LIES! Sonst macht mein Arti­kel wenig Sinn.

Bin ich ein Nazi, wenn ich gegen mehr Ein­wan­de­rung bin? Was ist eigent­lich „rechts“? Woher haben Pegi­da und AfD ihre Ide­en? Füh­ren die Flücht­lin­ge zu einem Rechts­ruck in Deutsch­land? Kraut­re­por­ter gibt Ant­wor­ten, die jeder ver­steht.

Wirmer-Flagge

Wir­mer-Flag­ge

Zual­ler­erst gilt dem Kraut­re­por­ter Rico Grimm mein herz­li­cher Dank. In auf­ge­reg­ten Zei­ten einen lan­gen Arti­kel über Rech­te zu schrei­ben, der Recher­che und Dif­fe­ren­zie­rung an die Stel­le von ein­fa­chen Schwarz-Weiß-Bil­dern setzt, ist schon etwas Beson­de­res. Ich jeden­falls habe gern die Anre­gung auf­ge­grif­fen, mich mit dem The­ma aus­ein­an­der­zu­set­zen.

Im Zuge des Kamp­fes gegen »rechts« sind poli­ti­sche Ver­or­tun­gen von Durch­schnitts­bür­gern, die frü­her ganz selbst­ver­ständ­li­ches Gedan­ken­gut waren, in Ver­ruf gera­ten. Abseits von den Zen­tren und Think Tanks der orga­ni­sier­ten Poli­tik gibt es noch die Men­schen, die Ziel aller Anstren­gun­gen zwecks Stim­men­ge­win­nung sind. Aus die­ser Sicht habe ich ver­sucht, Rico Grimms Bei­trag um ein paar Aspek­te und Fra­ge­stel­lun­gen zu ergän­zen.

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Zeitmaschine – Bielefeld. 30.12.1999. Am Vorabend des Millenniums

Am Vor­abend des Mill­en­ni­ums. Klingt dra­ma­tisch. War es auch. Doch war die Dra­ma­tik in Bie­le­feld eine ande­re als die in den weni­ger bevor­zug­ten Tei­len der Welt, und eigent­lich gab es auch gar kein Anlass zum Dra­ma. Eigent­lich waren wir ein Jahr zu früh dran. Doch der Dra­ma­tik (schon wie­der die­ses Wort!) der »2000« konn­te und woll­te sich nie­mand wirk­lich ent­zie­hen.

Was war da eigent­lich los gewe­sen, dass das Dra­ma, die Fei­ern und die Begeis­te­rung 12 Mona­te zu früh zün­de­ten, wie auch die Feu­er­wer­ke in der Sil­ves­ter­nacht? Die Ant­wort war so sim­pel und tri­vi­al, dass man sie schlicht über­sah: Es gibt kein Jahr »0« im Kalen­der. Das ers­te Jahr unse­rer Zeit­rech­nung ist das Jahr 1. Damit ist das letz­te Jahr im 1. Mill­en­ni­um das Jahr 1000 und im 2. Mill­en­ni­um eben das Jahr 2000. Erst mit dem Ende des Jah­res 2000 ende­te das 2. Jahr­tau­send und der Mill­en­ni­ums­wech­sel fand in der Sil­ves­ter­nacht 2000 statt. Blöd. Zu früh gefei­ert.

Dage­gen hing das Y2K (Year 2000)-Problem der Com­pu­ter­pro­gram­mie­rung tat­säch­lich an der magi­schen Zahl 2000. In die­ses Pro­blem führt uns mei­ne Zeit­ma­schi­ne, zurück in den größ­ten Hype, den die Com­pu­ter­in­dus­trie bis dahin ent­facht hat­te.
Y2K illustration

Ich sehe jetzt schon eure Reak­tio­nen. Hä? Was soll das? War­um kommt die­ser Bei­trag heu­te, Ende Janu­ar 2015? Gibt es ein Jubi­lä­um? Habe ich etwas ver­passt? Kei­ne Sor­ge. Legt euch wie­der hin. Alles ist gut. Ich habe nur ein wenig recher­chiert, und im wun­der­vol­len Bie­le­fel­der Stadt­ar­chiv den Beleg für mei­ne ganz per­sön­li­che Ver­stri­ckung in die dama­li­gen Ereig­nis­se gefun­den, und den will ich euch heu­te prä­sen­tie­ren. Viel­leicht tut auch in die­sen unru­hi­gen Zeit ein Rück­blick gut, der uns zeigt, dass frü­her nicht alles bes­ser war und dass wir auch damals schon von viel­fäl­ti­gen Bedro­hun­gen unse­rer Exis­tenz umzin­gelt waren. Die­se spe­zi­el­le Bedro­hung, das »Y2K«-Armageddon der Daten­ver­ar­bei­tung, war kör­per­los, kei­ne »PEGIDA« ging gegen sie auf die Stra­ße, kein nuscheln­der Bar­de sang gegen sie an. Unsicht­bar war sie , ungreif­bar und damit umso unheim­li­cher. Die Angst vor der ulti­ma­ti­ven Kata­stro­phe hielt die Welt in ihrem Wür­ge­griff.
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Viva Gewitterchor! Essen, Koks und Kohle

Hin­weis: Eini­ge Gesich­ter sind aus Daten­schutz­grün­den ver­pi­xelt. Ich bin aber sicher, dass die Natio­nal Secu­ri­ty Agen­cy und die Government Com­mu­ni­ca­ti­ons Head­quar­ters ohne­hin über unser kon­spi­ra­ti­ves Tref­fen Bescheid wis­sen. Du kannst ren­nen, aber dich nicht ver­ste­cken … 🙂

Nicht nur bin ich Mit­glied in der ehren­wer­ten Gesell­schaft der Freun­de Czer­no­wit­zens, auch als Tra­di­ti­ons­ver­band Katho­li­scher Czer­no­wit­zer Pen­nä­ler bekannt. Den noch ehren­wer­te­ren Ver­ein zur För­de­rung der Czer­no­wit­zer Gas­tro­no­mie (Wahl­spruch: manus manum lavat) habe ich 1995 in der Czer­no­wit­zer Gast­stät­te »Ber­lin« des lei­der ver­stor­be­nen Herrn Kup­fer selbst mit­ge­grün­det. Dazu kommt seit 1981 mein Wir­ken in der K.D.St.V. Fran­ko­nia-Czer­no­witz im CV zu Erlan­gen. Das reicht, soll­te man mei­nen.

Reicht nicht, mei­ne ich. Des­halb berei­chert seit 1986 der Sauer­län­der Gewit­ter­chor mein Leben. Gegrün­det anläss­lich einer Hoch­zeit im Freun­des­krei­se, der seit den frü­hen Sieb­zi­gern aus gemein­sa­mer Schul­zeit ent­stan­den ist, ver­mit­telt der Chor seit bald drei Jahr­zehn­ten im lus­ti­gen Gesang den Gäs­ten und den Ange­hö­ri­gen des Braut­paa­res inti­me und pikan­te Details über das Vor­le­ben der Bin­dungs­wil­li­gen, fein gesetzt in Vers­form und beglei­tet von lieb­li­chem Schal­mei­en- und Lau­ten­spiel. Spä­ter sind run­de Geburts­ta­ge will­kom­me­ner Anlass für Auf­trit­te, eine Tren­nung und ein Todes­fall.

Geübt haben wir immer nur wider­wil­lig. Mit sel­te­ner wer­den­den Auf­trit­ten und per­so­nell geschrumpf­ter instru­men­tel­ler Beglei­tung sind die musi­ka­li­schen Limi­ta­tio­nen des Cho­res in den Vor­der­grund gerückt. Kurz und gut: Wir sin­gen etwa so viel wie Trou­ba­dix wäh­rend eines Fest­essens im gal­li­schen Dorf. Da wir – anders als der gal­li­sche Bar­de – frei­wil­lig zu der Erkennt­nis gekom­men sind, dass der Gesang ein Ende haben soll­te, bleibt uns mehr Zeit für das Fest­essen und die dar­um gela­ger­ten Rand­ak­ti­vi­tä­ten.

In die­sem Bericht soll davon die Rede sein. Essen bezieht sich hier auf die Stadt (was Krupp in Essen waren wir mal in Trin­ken, auch das lässt nach) und der orts­kun­di­ge Leser wird leicht ver­mu­ten, dass Koks und Koh­le zum Welt­kul­tur­er­be Zoll­ver­ein

Wegweiser zur schönsten Zeche vonne Welt

Weg­wei­ser zur schöns­ten Zeche von­ne Welt

wei­sen. Stimmt. Wir bege­hen das Jah­res­tref­fen des Gewit­ter­cho­res, und euer treu­er Chro­nist ist der Orga­ni­sa­tor. Da er sich selbst in die­ses Amt ein­ge­setzt hat, ist Mit­leid mit selbst­ver­schul­de­tem Schick­sal nicht ange­bracht.
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Farbenrausch – 20. Czernowitzer Couleurfest in Klagenfurt

Heu­te, lie­be Freun­de, mel­de ich mich mit einem Bericht aus einer Welt, die den meis­ten von uns ver­bor­gen ist, einer Welt, die vie­le als alter­tüm­lich, vor­gest­rig, patri­ar­cha­lisch, nicht sel­ten auch als rechts­las­tig bezeich­nen, eine Welt, die jeden­falls fast immer und von nahe­zu allen Außen­ste­hen­den als ana­chro­nis­tisch belä­chelt wird, die Welt der Stu­den­ten­ver­bin­dun­gen. Sauf­ri­tua­le, Seil­schaf­ten, Sexis­mus und Homo­pho­bie sind gern genann­te Vor­wür­fe, die den Vor­teil haben, kei­ner­lei Bewei­se zu benö­ti­gen, um die Bün­de, egal wel­cher Cou­leur, pau­schal zu ver­ur­tei­len. Feh­len Cri­ti­ca und Cri­ti­cus (modernst gen­der­ge­recht »Cri­tix«, gemäß den Vor­schlä­gen von Lann Horn­scheidt, Pro­fes­sx für Gen­der Stu­dies und skan­di­na­vis­ti­sche Lin­gu­is­tik am Zen­trum für Trans­dis­zi­pli­nä­re Geschlech­ter­stu­di­en der HU Ber­lin) wie so häu­fig eige­ne Gedan­ken, bedie­nen sie sich bei Kurt Tuchol­sky:

Ver­bin­dungs­stu­den­ten sind ein Hau­fen von ver­hetz­ten, irre­ge­lei­te­ten, ver­sof­fe­nen, far­ben­tra­gen­den jun­gen Deut­schen!”

Auch aus Hein­rich Manns »Unter­tan« wird gern zitiert:

Er war unter­ge­gan­gen in der Kor­po­ra­ti­on, die für ihn dach­te und woll­te. Und er war ein Mann, durf­te sich sel­ber hoch­ach­ten und hat­te eine Ehre, weil er dazu­ge­hör­te.

Ich gehö­re auch dazu. Mehr noch, ich bin stolz dar­auf, von einer Gemein­schaft so fei­ner Men­schen als einer der Ihren betrach­tet zu wer­den, wie es der Tra­di­ti­ons­ver­band katho­li­scher Czer­no­wit­zer Pen­nä­ler ist. Bevor ich jedoch fort­fah­re, muss ich mich distan­zie­ren. Ich distan­zie­re mich aus­drück­lich von der uner­träg­li­chen Wohl­stands­ver­wahr­lo­sung, die sich in der durch die AG Femi­nis­tisch Sprach­han­deln sys­te­ma­tisch pro­pa­gier­ten und prak­ti­zier­ten Sprach­ver­stüm­me­lung mani­fes­tiert. Ich distan­zie­re mich von den Links zu »Pro­fes­sx« Horn­scheidt und der AG Femi­nis­tisch Sprach­han­deln. Wer sich geis­tig gefes­tigt fühlt, mag sich in der Online-Aus­ga­be des Spie­gel vom 24.4.2014 selbst ein Bild machen. Ich aber sage euch: Folgt die­sen Links nicht. Wenn ihr nicht hören könnt, ihr wur­det gewarnt. Macht eure Schä­den nicht bei mir gel­tend. So, jetzt bin ich mei­ner Ver­ant­wor­tung gerecht gewor­den. Ich habe euch vor den bösen Stu­den­ten­ver­bin­dun­gen gewarnt und vor den femi­nis­ti­schen Sprach­zen­sorx. Jetzt kön­nen wir unbe­schwert zum fröh­li­chen Teil über­ge­hen. Ein­stim­men will ich euch mit der Cou­leur­kar­te zum Fest, lie­be­voll gestal­tet von Dr. cer. Hugin (»Der Gedan­ke«).

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Cou­leur­kar­te zum 20. Cou­leur­fest des Tra­di­ti­ons­ver­bands Katho­li­scher Czer­no­wit­zer Pen­nä­ler

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Fastenwandern – Eine Selbsterfahrung

Wiki­pe­dia sagt über das Fas­ten:

Fas­ten ist die völ­li­ge oder teil­wei­se Ent­hal­tung von Spei­sen, Geträn­ken und Genuss­mit­teln über einen bestimm­ten Zeit­raum hin­weg, übli­cher­wei­se für einen oder meh­re­re Tage. Das Wort kommt vom alt­hoch­dt. fas­tēn, das ursprüng­lich bedeu­tet „(an den Gebo­ten der Ent­halt­sam­keit) fest­hal­ten“, vgl. auch gotisch fas­tan „(fest)halten, beob­ach­ten, bewa­chen“. Wird nur eine bestimm­te Art der Nah­rung – bei­spiels­wei­se Fleisch – oder ein Genuss­mit­tel weg­ge­las­sen oder ein­ge­schränkt, spricht man von Ent­hal­tung oder Absti­nenz.

Kuckt ihr hier: Fas­ten in der Wiki­pe­dia Zu Recht stellt sich jetzt die Fra­ge, was einen mehr oder weni­ger gesun­den, genuss­ori­en­tier­ten Men­schen ohne Not zu Ver­zicht und Aske­se bewe­gen soll. Sicher kann Fas­ten mei­nem Glas­au­ge die Seh­kraft nicht zurück­ge­ben oder die feh­len­den Fin­ger nach­wach­sen las­sen, und auch mei­ne lädier­ten Band­schei­ben wer­den nur mar­gi­nal von einer tem­po­rä­ren Gewichts­ent­las­tung pro­fi­tie­ren. Drei Jah­re zuvor jedoch habe ich beim Fas­ten­wan­dern auf Sylt eine dra­ma­ti­sche Abnah­me mei­nes Blut­hoch­drucks kon­sta­tie­ren dür­fen, und die regel­mä­ßi­ge Bewe­gung hat mir nicht nur wohl­ge­tan, son­dern auch Freu­de berei­tet. Des­halb will ich mir jetzt nach einer anstren­gen­den Woh­nungs­auf­lö­sung und einer nicht min­der belas­ten­den Arbeits­su­che eine Aus­zeit mit wenig Nah­rung und viel Bewe­gung gön­nen. Mein Ziel ist um eini­ges exo­ti­scher als Sylt: Statt auf die Insel der Schö­nen, der Rei­chen und der ganz schön Rei­chen geht es in den hüge­li­gen, grü­nen Esse­ner Süden. Obwohl, auch hier hat es eini­ge ganz schön rei­che Bewoh­ner. Zu den berühm­tes­ten gehört sicher­lich die Sip­pe von der Vil­la Hügel, die Krupps (was Krupp in Essen sind wir in Trin­ken, aber dazu spä­ter mehr).

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Essens grü­ner Süden – Die Ruhr am Lein­pfad

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Sparrenblick – Anders sehen lernen. Ein Versuch

Burg Spar­ren­berg, kurz Spar­ren­burg, gehört, wie soll­te es anders sein, zu den belieb­te­ren Aus­flugs­zie­len Bie­le­felds. An schö­nen Tagen drän­gen die Men­schen­mas­sen und knip­sen begeis­tert das Pan­ora­ma. So ist anzu­neh­men, dass jedes denk­ba­re Motiv ana­log und digi­tal in allen Varia­tio­nen viel­fach abge­lich­tet ist. War­um ich am Sams­tag, dem 29. März 2014 bei strah­len­dem Son­nen­schein trotz­dem die Kame­ra umhän­ge und das Sta­tiv schul­te­re, bedarf also einer kur­zen Erklä­rung.

Ich möch­te – vor allem mit dem Tele­ob­jek­tiv – Gebäu­de und Arte­fak­te ins rech­te Licht set­zen, die Bie­le­feld in tem­po­rär oder auf Dau­er eine beson­de­re Cha­rak­te­ris­tik ver­lei­hen. Auf Schön­heit im klas­si­schen Sinn soll es mir dabei nicht ankom­men, viel­mehr auf Authen­ti­zi­tät und Wahr­haf­tig­keit (was für ein Wort­ge­schwur­bel, aber mir fällt grad nichts pas­sen­de­res ein). Dazu gehört auch, dass die Bil­der nicht nach­ge­ar­bei­tet wer­den. Kei­ne Kor­rek­tur der Belich­tung, kein Nach­schär­fen, nur die Auf­lö­sung fürs Web anpas­sen. Ansons­ten ist alles so, wie es der Sen­sor der Olym­pus OMDEM-5 durch das M.Zuiko 75–300mm Zoom gese­hen hat. Wie immer führt ein Klick aufs Bild zur Foto­ga­le­rie.

Hier mal ein Bei­spiel ein mög­li­ches Sym­bol für das Cha­rak­te­ris­ti­kum »die freund­li­che Bau­stel­le am Ran­de des Teu­to­bur­ger Wal­des«, die roten Krä­ne, die – solan­ge auf­ge­baut – das Stadt­bild beherr­schen.

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Die freund­li­che Bau­stel­le am Ran­de des Teu­to­bur­ger Wal­des

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