Kein Tag der Deutschen Einheit, nirgends

3. Okto­ber 2017. Kein Meer von deut­schen Fah­nen. Kei­ne Jubel­stim­mung. Kei­ne Fei­ern mit »nor­ma­len« Bür­gern. Kei­ne Ein­heit, nir­gends. Pres­se und Poli­tik, die spal­tet. Frau­en gegen Män­ner, West gegen Ost, hel­les, auf­ge­klär­te gegen dunk­les, abge­häng­tes Deutsch­land, 87% Anstän­di­ge gegen das Pack, klei­ne Grüpp­chen, die in aggres­si­ver Iden­ti­täts­po­li­tik eifer­süch­tig ihre Pri­vi­le­gi­en ver­tei­di­gen und neue Pfrün­de erobern. Ehe für alle, nicht der Ehe wegen, son­dern wegen des rau­schen­den Hoch­zeits­fes­tes, um dann die ehr­wür­di­ge, gesell­schaf­ter­hal­ten­de Insti­tu­ti­on radi­kal zu dekon­stru­ie­ren.

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Ein abgekartetes Spiel. Wie Neuwahlen gelingen könnten.

Jamai­ka-Koali­ti­on – Sym­bol­bild (Quel­le: Pixabay)

Jamai­ka? Wie soll das funk­tio­nie­ren? Die ideo­lo­gi­schen Dif­fe­ren­zen zwi­schen der FDP und den Grü­nen sind grö­ßer als die zwi­schen der AfD und der Lin­ken. Geht Lind­ner auf die Grü­nen zu, muss er nach sei­nem Wahl­kampf mit klar anti­grü­ner Posi­tio­nie­rung mit dem Stig­ma des Umfal­lers leben.

Bei­den klei­nen Part­nern ist über­dies klar, dass sie in einer Koali­ti­on mit Mer­kel nicht über­le­ben wür­den. Zwei zän­ki­sche Brü­der, die von der alles ersti­cken­den Mut­ter wie­der und wie­der zur Rai­son gebracht wer­den müs­sen – die idea­le Rol­le für Mer­kel, die ihr als »Poli­tik der ruhi­gen Hand« ver­bräm­tes Nichts­tun und Reagie­ren unge­stört vier wei­te­re Jah­re fort­set­zen und FDP und Grü­ne poli­tisch bis zur Bedeu­tungs­lo­sig­keit kan­ni­ba­li­sie­ren könn­te.

Neu­wah­len ohne Mer­kel erschei­nen da als ein­zi­ge Lösung. Von selbst wird sie nicht zurück­tre­ten. Ein Köni­gin­nen­mör­der von For­mat ist in der Uni­on nicht zu sehen. See­ho­fers Dro­hung mit der Auf­kün­di­gung der Uni­on wird als lee­re Bla­se ver­puf­fen, wie alle sei­ne Dro­hun­gen zuvor. Was also tun?

Den Aus­weg könn­te Arti­kel 63 des Grund­ge­set­zes wei­sen:

Grund­ge­setz Arti­kel 63 (Quel­le: Eige­ne Dar­stel­lung aus DeJu​re​.org)

Wie soll es gelin­gen? Viel­leicht so:

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Eine kurze Überlegung zur Polygynie

Hugh Hefner 2010

Hugh Hef­ner 2010

Wel­cher Mann wünsch­te sich das nicht, von vie­len, mög­lichst attrak­ti­ven, Frau­en umge­ben zu sein, die ihn wie einen Pascha umsor­gen und ihm in jeg­li­cher Hin­sicht zu Diens­ten sind? OK, ich rede von hete­ro­se­xu­el­len cis-Män­nern. Obwohl die­se Aus­sicht ver­lo­ckend erscheint und das Patri­ar­chat, glaubt man den laut­star­ken Aktivist*innen, doch wirk­lich die Macht gehabt hät­te, die­se ulti­ma­ti­ve Män­ner­phan­ta­sie mit gera­de­zu spie­le­ri­scher Leich­tig­keit zu rea­li­sie­ren, hat unse­re Gesell­schaft der Ver­su­chung wider­stan­den. Die Mono­ga­mie (nicht zu ver­wech­seln mit der Mono­to­nie!) ist der Gold­stan­dard in der west­li­chen Welt. Aus­nah­men mag es geben, aber sie wer­den, wie das Bild zeigt, in Kür­ze aus­ster­ben. Das Modell hat sich nicht durch­ge­setzt. Es soll­te sich auch nicht durch­set­zen, denn es kann unter bestimm­ten Umstän­den zu einer exis­ten­zi­el­len Bedro­hung wer­den. War­um das so ist, will ich mit eini­gen Über­le­gun­gen auf­zei­gen.

Aber erst eine War­nung. Mei­ne kur­zen Über­le­gun­gen sind doch ziem­lich lang gewor­den. Wenn Sie jetzt wei­ter­le­sen, wer­den Sie nicht so schnell auf­hö­ren (kön­nen). Sind Sie sicher? OK, es geht wei­ter

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It’s democracy, stupid! Part I

By Sven Teschke Ste­schke (Own work) [CC BY-SA 2.0 de (http://​crea​ti​ve​com​mons​.org/​l​i​c​e​n​s​e​s​/​b​y​-​s​a​/​2​.​0​/​d​e​/​d​e​e​d​.en)], via Wiki­me­dia Com­mons

Muss man die AfD ver­tei­di­gen? Bestimmt nicht. Die not­lei­den­de Demo­kra­tie aller­dings, die hat Für­spre­cher drin­gend nötig. Ein Bei­trag über das Demo­kra­tie­ver­ständ­nis von Tei­len der deut­schen Pres­se nach den Land­tags­wah­len 2016.

Er hat­te es fast geschafft. Bei­na­he hät­te Kai Diek­mann es geschafft, mich davon zu über­zeu­gen, dass die BILD eine Zei­tung sei und ihr Her­aus­ge­ber doch ein ernst­zu­neh­men­der Publi­zist. Heu­te, nach den Land­tags­wah­len 2016, ver­mag ich denen, die BILD und Herrn Diek­mann die­se Eigen­schaf­ten abspre­chen, nicht mehr über­zeu­gend zu wider­spre­chen. Scha­de, denn auf eine BILD mit pha­sen­wei­se erkenn­ba­rer Serio­si­tät hät­te ich mich gefreut.

Die ers­te Über­zeu­gung fiel mit der Flücht­lings­kri­se. Seit Sep­tem­ber 2015 ver­such­te die BILD, sich ihr Allein­stel­lungs­merk­mal durch die völ­lig kri­tik­lo­se Über­nah­me der Kanz­le­rin­po­si­ti­on zu ver­schaf­fen. Im Chor der Qua­li­täts­me­di­en, die das Hohe­lied der Vor­sit­zen­den der Ein­heits­re­gie­rung der Deut­schen Demo­kra­ti­schen Bun­des­re­pu­blik san­gen, erhob sich die ehe­ma­li­ge Pro­jek­ti­ons­flä­che lin­ker Ver­ach­tung des Esta­blish­ments der alten Repu­blik zur ers­ten Stim­me der Sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Ein­heits­uni­on (CDUSPDGRÜNEFDP, in Tei­len auch DIELINKE) Deutsch­lands.

Die zwei­te Über­zeu­gung wur­de ges­tern, am 14.3.2016, pul­ve­ri­siert. Der Moment, in dem sich Herr Diek­mann zumin­dest vor­läu­fig aus der Gemein­schaft der zurech­nungs­fä­hi­gen Zei­tungs­ma­cher her­aus- und in die Umlauf­bahn der glo­ba­len Aluhut­ge­sell­schaft hin­ein­schoß, liegt jetzt, da die­se Zei­len ent­ste­hen, ca. 16 Stun­den zurück. Völ­lig unver­hoh­len stell­te der Her­aus­ge­ber, also der ers­te Mann der immer noch auf­la­gen­stärks­ten Zei­tung Deutsch­lands, die AfD mit der NSDAP gleich.

Quelle: Eigener Screenshot von Kai Diekmanns Twitteraccount @KaiDiekmann

Diek­manns Para­noia: die AfD als neue NSDAP. Quel­le: Eige­ner Screen­shot von Kai Diek­manns Twit­ter­ac­count @KaiDiekmann

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Die neuen Rechten, verständlich erklärt – Ergänzungen zu den Krautreportern

Klick und LIES! Sonst macht mein Arti­kel wenig Sinn.

Bin ich ein Nazi, wenn ich gegen mehr Ein­wan­de­rung bin? Was ist eigent­lich „rechts“? Woher haben Pegi­da und AfD ihre Ide­en? Füh­ren die Flücht­lin­ge zu einem Rechts­ruck in Deutsch­land? Kraut­re­por­ter gibt Ant­wor­ten, die jeder ver­steht.

Wirmer-Flagge

Wir­mer-Flag­ge

Zual­ler­erst gilt dem Kraut­re­por­ter Rico Grimm mein herz­li­cher Dank. In auf­ge­reg­ten Zei­ten einen lan­gen Arti­kel über Rech­te zu schrei­ben, der Recher­che und Dif­fe­ren­zie­rung an die Stel­le von ein­fa­chen Schwarz-Weiß-Bil­dern setzt, ist schon etwas Beson­de­res. Ich jeden­falls habe gern die Anre­gung auf­ge­grif­fen, mich mit dem The­ma aus­ein­an­der­zu­set­zen.

Im Zuge des Kamp­fes gegen »rechts« sind poli­ti­sche Ver­or­tun­gen von Durch­schnitts­bür­gern, die frü­her ganz selbst­ver­ständ­li­ches Gedan­ken­gut waren, in Ver­ruf gera­ten. Abseits von den Zen­tren und Think Tanks der orga­ni­sier­ten Poli­tik gibt es noch die Men­schen, die Ziel aller Anstren­gun­gen zwecks Stim­men­ge­win­nung sind. Aus die­ser Sicht habe ich ver­sucht, Rico Grimms Bei­trag um ein paar Aspek­te und Fra­ge­stel­lun­gen zu ergän­zen.

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timeo Danaos et dona ferentes

In einem Inter­view mit der ZEIT am 5. Janu­ar 2016 äußert sich der Phi­lo­soph Wil­helm Schmid zur Flücht­lings­kri­se und den Hand­lungs­mo­ti­ven der Kanz­le­rin:

Doch was sich jetzt voll­zieht, ist Ver­än­de­rung. Gott sei Dank, möch­te ich mit unse­rer Kanz­le­rin sagen. Die hat es her­bei­ge­sehnt. Sie war seit Jah­ren beun­ru­higt über die Selbst­zu­frie­den­heit der Deut­schen, die sich in ihrem Wohl­stand ein­ge­rich­tet haben und glau­ben, alles sei getan. Und jetzt kommt von außen geschenkt die gro­ße Her­aus­for­de­rung, die es unmög­lich macht, dass wir gleich blei­ben. Und so sehe ich es auch: Es ist ein Got­tes­ge­schenk.

Das Trojanische Pferd - Lovis Corinth
Ich erlau­be mir, aus einem ande­ren Blick­win­kel auf die Ereig­nis­se zu sehen. Es ist ein Dana­er­ge­schenk. Ein Geschenk, das sich als unheil­voll und scha­den­stif­tend für den Beschenk­ten erweist. Der Pries­ter Lao­koon sagt in Ver­gils Aen­eis (Buch II, Vers 48–49): »timeo Dana­os et dona feren­tes.« Ich fürch­te die Dana­er, auch wenn sie Geschen­ke brin­gen. Je nach­dem, wel­chen Mythos man befragt, war es der Seher Kal­chas, Odys­seus oder Hele­nos, der nach 10-jäh­ri­gem ver­geb­li­chen Krieg der Grie­chen gegen Tro­ja die bis heu­te legen­dä­re List ersann. Ein höl­zer­nes Pferd wur­de gebaut, dar­in Sol­da­ten ver­steckt. Der Grie­che Sinon mach­te den Tro­ja­nern weis, das Pferd sei ein Geschenk an die Göt­tin Athe­ne. Sie dürf­ten es kei­nes­falls zer­stö­ren, das wäre ein böser Fre­vel gegen die Göt­tin und wür­de bestraft. Aber wenn sie es in die Stadt bräch­ten, stün­den sie unter dem Schutz der Göt­tin. Die Tro­ja­ner wuss­ten nichts bes­se­res zu tun, als den Holz­zos­sen in die Stadt zu schlep­pen. Nachts schli­chen die Sol­da­ten her­aus und öff­ne­ten die Stadt­to­re. Die Grie­chen fie­len in die Stadt ein und zer­stör­ten sie, nicht ohne diver­se Fre­vel- und Greu­el­ta­ten zu bege­hen (unter ande­rem ver­ge­wal­tig­te Ajax die Kas­san­dra). Der Rest ist Geschich­te.

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#Heuchler: Tarifeinheit ist auch Arbeitgebersache!

Ick kann jar nich soville fressen, wie ick kotzen möchte«

Max Lie­ber­manns berühm­tes Zitat kommt mir in den letz­ten Jah­ren all zu oft in den Sinn. So auch heu­te. In den Nach­rich­ten wird der Arbeit­ge­ber­prä­si­dent Ingo Kra­mer zitiert:

Ich begrü­ße die Zustim­mung der gro­ßen Mehr­heit des Bun­des­ta­ges zum Tarif­ein­heits­ge­setz. Das ist ein wich­ti­ger Schritt für die Zukunft der Tarif­au­to­no­mie. Durch die gesetz­li­che Wie­der­her­stel­lung der Tarif­ein­heit wird Rechts­si­cher­heit und Rechts­klar­heit geschaf­fen und einer wei­te­ren Ero­si­on und Zer­le­gung der Tarif­au­to­no­mie ent­ge­gen­ge­wirkt.

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Liebe Lokführer, liebe Bahn … #bahnstreik

Als Wert­kon­ser­va­ti­ver habe ich einen hohen Respekt vor unse­ren grund­ge­setz­lich garan­tier­ten Frei­hei­ten und Rech­ten. Ganz selbst­ver­ständ­lich zäh­le ich die Koali­ti­ons­frei­heit dazu – die Frei­heit von Arbeit­neh­mern und Arbeit­ge­bern, sich zur Wah­rung und För­de­rung der Arbeits- und Wirt­schafts­be­din­gun­gen zusam­men­zu­schlie­ßen, das Koali­ti­ons­recht - das Recht, Gewerk­schaf­ten und Arbeit­ge­ber­ver­bän­de zu grün­den und sich die­sen anzu­schlie­ßen – und das Streik­recht - das Recht zur kol­lek­ti­ven Arbeits­nie­der­le­gung zur Errei­chung tarif­po­li­ti­scher Zie­le – abge­lei­tet aus der Koali­ti­ons- und Ver­ei­ni­gungs­frei­heit laut Grund­ge­setz Art. 9 Abs. 3.

Solan­ge das berech­tig­te Inter­es­se der Beschäf­tig­ten im Mit­tel­punkt der Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen Arbeit­neh­mern und Arbeit­ge­bern steht, ist der Streik als Ulti­ma Ratio eines Arbeits­kamp­fes schlicht­weg hin­zu­neh­men, mit allen Unan­nehm­lich­kei­ten und Erschwer­nis­sen, die auch Unbe­tei­lig­te Drit­te erlei­den müs­sen. Bis auf unver­bes­ser­li­che Neo­li­be­ra­le und Tea-Par­ty-Enthu­si­as­ten wird kein zum selbst­stän­di­gen Den­ken fähi­ger Mensch allen Erns­tes die sozia­len Errun­gen­schaf­ten bestrei­ten, die die Gewerk­schaf­ten im Lau­fe von Jahr­zehn­ten den Arbeit­ge­bern und der Gesell­schaft abge­trotzt haben. Belohnt wor­den sind wir – auch Dank letzt­lich ein­sich­ti­ger Arbeit­ge­ber und einer auf Aus­gleich bedach­ten Nach­kriegs­po­li­tik – mit einem nach­hal­ti­gen sozia­len Frie­den und der völ­li­gen Abwe­sen­heit von poli­ti­schen Arbeits­nie­der­le­gun­gen, wor­um uns vie­le unse­rer Nach­barn in Euro­pa klamm­heim­lich benei­den.

Jetzt aller­dings müs­sen wir mit Schre­cken mit­er­le­ben, wie eine klei­ne Spar­ten­ge­werk­schaft in wahn­haf­ter Über­schät­zung der eige­nen Bedeu­tung (oder ist das nur ein spe­zi­fi­sches Wesens­merk­mal ihres Vor­sit­zen­den?) die gesell­schaft­lich tief ver­an­ker­te Akzep­tanz der gesam­ten deut­schen Gewerk­schafts­be­we­gung in gröbs­ter Fahr­läs­sig­keit aufs Spiel setzt. Nie­man­dem außer­halb der GDL kann auch nur ansatz­wei­se ver­mit­telt wer­den, wel­che Zie­le für die Bahn­be­schäf­tig­ten mit den völ­lig sinn­be­frei­ten Lok­füh­rer­streiks vom Okto­ber und Novem­ber 2014, den Warn­streiks im März, den bis­her längs­ten Streiks im April und den jetzt ange­kün­dig­ten 100stündigen Streiks ab dem 5. Mai über­haupt erreicht wer­den sol­len. Wenn wenigs­tens – wie im Ärz­te­streik 2006 – Par­ti­ku­lar­in­ter­es­sen einer Berufs­grup­pe auf Kos­ten aller Ande­ren durch­ge­setzt wer­den soll­ten, wäre das zwar mora­lisch bedenk­lich, doch gäbe es letzt­end­lich wenigs­tens eine klei­ne Cli­que lachen­der Gewin­ner. Doch nicht ein­mal die­ser ver­werf­li­che, wenn­gleich ver­ständ­li­che Ego­is­mus, den aus­zu­le­ben die eige­ne Wir­kungs­macht gestat­tet, ist ansatz­wei­se zu erken­nen. Nein, es geht um viel weni­ger.
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